Dein Kulturreisejournal

Harrys Hafenbasar Hamburg

Jahrmarkt der Weltmeere

von Harald Kother

Vorweg: In Hamburg gibt es auch ein Völkerkunde-Museum. Doch wer schon immer Mal in ein Wunderland aus Masken, exotischen Skulpturen, Fetisch-Objekten unterschiedlichster Kulturen und Gebrauchsgegenständen aller Kontinente eintauchen wollte, sollte Harrys Hafenbasar aufsuchen.

Nirgendwo sonst stapeln sich Exponate aus allen Ländern dieser Welt so dichtgedrängt. Zwar hängen bei den Figuren, Masken und rituellen Objekten keine erklärenden Beschriftungen, sondern Preisschilder. Doch wer die Besitzerin fragt, bekommt zu jedem Gegenstand eine Erklärung und muss sich auf die ein oder andere Geschichte gefasst machen.

Harryshafenbasar
© Harryshafenbasar

Der Hafenbasar ist ein Laden, so wie fast jeder andere auch. Doch wer nur mal gucken will, muss 5 Euro Eintritt bezahlen. Und zum Gucken gibt es hier eine ganze Menge. Angeblich über 300.000 Exponate drängen sich auf den Regalen, stehen in den engen Gängen oder hängen von der Decke – aber wie viele Objekte es tatsächlich sind, weiß wohl selbst die Besitzerin Karin Rosenberg nicht so genau.

So kurios wie das Geschäft selbst ist auch die Entstehungsgeschichte. Der Seemann Harry Rosenberg. Vater der heutigen Besitzerin, ging in Hamburg vor Anker und eröffnete 1954 einen Laden mit den Dingen, die er gerade in seiner Hosentasche hatte: Kupfer- und Silbermünzen, sowie Briefmarken von mehreren Kontinenten. Daraus entwickelte sich ein Geschäft mit Kuriositäten aus aller Welt. Seeleute brachten ihren Plunder vorbei; und schnell zeigte sich, dass es vor allem exotische Götterskulpturen, Fruchtbarkeitsstatuen, Masken oder auch Marionetten waren, die Käufer fanden. Harry vergab gezielt Bestellungen an Mitglieder der Schiffsbesatzungen. Matrosen schleppten Kunsthandwerk in ihrem Seesack mit nach Hamburg – ein willkommener Nebenverdienst für viele und ein sehr günstiger Importweg für den Hafenbasar. Irgendwann war aus dem Briefmarken- und Münzkontor eine Art Völkerkundemuseum geworden.

Harryshafenbasar
© Harryshafenbasar

Leider, klagt die Nachfolgerin, werde es immer schwieriger, auf diese Art und Weise Nachschub zu bekommen. „Die Matrosen heute haben in ihren Kabinen kaum noch den Platz, eine große Skulptur mitzunehmen“, sagt Karin Rosenberg. Außerdem seien auch die Liegezeiten in den asiatischen und afrikanischen Häfen mittlerweile so knapp bemessen, dass kaum noch Zeit bleibe, an Land zu gehen und dort nach neuen Objekten Ausschau zu halten.
Nachtrag 2021: Nach dem Tod von Karin Rosenberg 2011 und ihres Nachfolgers Gereon Boss 2014 wird das Museum heute von der Dr. Gereon Boos / Hafenbasar Stiftung & Microhotel geführt.

Location des Hafenbasars
Die aktuelle Location des Hafenbasars im Traditionsschiffhafen in der Hafencity, inkl. einem Mikrohotel (1 Zimmer!) © Harryshafenbasar, CC BY-SA 4.0

Der Hafenbasar musste in den vergangenen Jahren mehrmals umziehen und befindet sich aktuell in der Hafencity auf dem Ponton Nr. 2 im Sandtorhafen, wenige Meter von der Elbphilharmonie entfernt.

Übrigens: Wer etwas kauft, bekommt einen Teil des Eintrittsgelds zurück.

Harrys Hamburger Hafenbasar und Museum
Sandtorhafen, Ponton Nr. 2
20457 Hamburg
www.hafenbasar.de

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